|
QUERSCHNITTLÄSION Unter dem Begriff Querschnittläsion versteht man eine vollständige oder teilweise Schädigung eines oder mehrerer Rückenmarkssegmente durch ein direktes Trauma (= Verletzung), Tumorkompression, En tzündung oder Blutung. Über den Mechanismus der Schmerzentstehung nach Querschnittläsionen ist wenig bekannt. Nach Thoden (1987) klagen 50% aller Patienten mit traumatischen (= verletzungsbedingten) Querschnittläsionen über störende Mißempfindungen unterhalb der Läsionsstelle (= Verletzungsstelle). Immerhin 27% leiden unter Schmerzen, vorwiegend im Bereich der Extremitäten (= Arme, Beine). Teilweise treten auch krampfartige, viszerale Schmerzen (= aus dem Bauchraum stammende Schmerzen) auf. Schmerzen, die bei einer kompletten (= vollständige Durchtrennung des Rückenmarks) Querschnittläsion im gelähmten Bereich auftreten, werden als Deafferenzierungsschmerzen bezeichnet. Dieser Begriff beschreibt Schmerz en, die nach, bzw. trotz Ausschaltung der sensiblen Impulse (Afferenzen (= dem Zentralnervensystem zuströmende Erregung)) im ehemaligen Versorgungsgebiet des betroffenen Nerven oder Nervenstammes auftreten. Im Prinzip handelt es sich also um Phantomschmerzen. Es hat sich allerdings als zweckmäßig erwiesen, den Begriff "Phantomschmerz" nur dann zu verwenden, wenn ein (Teil-) Verlust einer Extremität (= Arm / Bein) vorliegt. Auch vom Verletzungssegment selbst können
Schmerz en ausgehen, die oft
auf eine Instabilität zurückzuführen sind. Diese Instabilität kann chirurgisch
behoben werden. Bei einer Paraplegie (= schlaffe oder spastische Lähmung beider Bei ne) kann die kontinuierliche per idurale (= rückenmarknahe) Blockade mit Katheter (*siehe unten) hilfreich sein. Die Implantation (= Einpflanzung) des Katheters muß jedoch oberhalb des geschädigten Segments erfolgen. Bei Tetrapleg ie (= vollständige Lähmung aller 4Extremi täten) bedarf die kontinuierliche Per iduralblockade oberhalb des geschädigten Segments wegen des erhöhten Risikos einer strengen Indikationsstellung (= Abwägung von Nutzen und Risiko).
Als
medikamentöse Schmerztherapie können bei einem
Schmerz nach
Querschnittläsion neben Carbamazepin, auch Gabapentin oder Pregabalin
(= Mittel gegen die Fallsucht, aber auch beim
Schmerz nach einem
Querschnittssyndrom hilfreich),
Baclofen (= im
Gehirn/Rückenmark wirkendes Mittel zur Muskelentspannung)
und schmerz
distanzierende
Antidepressiva
(= Mittel gegen Depressionen)
sowie
Neuroleptika
(= Mittel gegen psychische Erkrankungen)
versucht werden. Rhizotomien (= selektive Blockaden der hinteren Rückenmarkwurzeln) und Sympathektomien (= operative Teilentfernung des unwillkürlichen Nervensystems) sollen bei Querschnittläsion erfolglos sein (Thoden 1987). Nach Winkelmüller (1993) kann eine elektrische Stimulation der Hinterstränge des Rückenmarks versucht werden (DCS = dorsal column Stimulation, bzw. ESES = epidurale spinale Elektrostimulation). Wenn ein Schmerz bei Querschnittläsion längerfristig bestehen, ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen. * Methodenbeschreibung Die
kontinuierliche epidurale Blockade mit Katheter wird zur
Schmerzausschaltung bei Operationen allgemein oft angewendet, sie eignet sich
vorzüglich auch zur Therapie chronischer
Schmerzen. Bei
dieser Methode wird im Bereich der Lendenwirbel (oder auch höher, je nach
Verletzungssegment) ein dünner Kunststoffkatheter in örtlicher Betäubung dicht
an das Rückenmark eingelegt. Dieser wird dann mehrmals täglich mit einer lang
wirkenden,
örtlichen Betäubungsmittellösung aufgefüllt. Der Katheter kann auch mittels
einer kleinen Medikamentenpumpe kontinuierlich befüllt werden. Die Methoden der modernen Schmerztherapie bieten auch optimale Voraussetzungen für eine Anschlußheilbehandlung (AHB) bzw. Anschlußrehabilitation. Mehr darüber erfahren Sie hier: http://www.anschlussheilbehandlung.eu (einfach anklicken). Das Bundesministerium für Gesundheit teilt auf der Web-Seite der Bundesregierung mit, dass alle Versicherte (also auch ältere Patienten) einer gesetzlichen Krankenkasse einen Rechtsanspruch auf eine Rehabilitation haben und sich ihre REHA-Klink sogar selbst aussuchen dürfen. Lesen Sie dazu auch einen Brief des Bundesgesundheitsministeriums an die Sozialministerien der Länder als Aufsichtsbehörde der gesetzlichen Krankenkassen. Dieses Wahlrecht wurde mittlerweile auch durch Urteile von Landessozialgerichten bestätigt: Baden-Württemberg (Az: L 4 KR 2071/05 und Hessen ((Az.: L 1 KR 2/05: Gewährt eine Krankenkasse einem Versicherten einen Aufenthalt in einer Reha-Klinik, so ist sie dazu verpflichtet, die Wünsche des Versicherten in Bezug auf die Einrichtung zu berücksichtigen (eine Revision gegen diese Entscheidung ließ das Gericht gar nicht erst zu)). Die Klinik im Film - Zu einem 3-min. Fernsehbeitrag über Schmerzbehandlungen gelangen Sie hier (einfach anklicken). Wenn Sie eine genaue Anfahrtsbeschreibung ab Ihrem Wohnort wünschen, klicken sie hier.
Haftungshinweis:
Weitere Schmerzthemen (Auswahl)
Aktualisiert:>03.06.2008</>kusb& Schmerzklinik (1), Schmerzklinik (2), Schmerzklinik (3), Schmerzklinik (4) http://www.querschnittlaesion.de <strong>Querschnittläsionen</strong> |